Mittwoch, 27. Juli 2011

Ich bring mein Zettelkasten mit ... Teil 2

27 Juli 2011

Ich hab ja schon ein paar Fotos aus meinem "Zettelkasten" von myblog gepostet. Heute bring ich mal etwas anderes mit... einen kleinen Text.
Ich schreibe unheimlich gerne und deswegen kann es des öfteren passieren das der ein oder andere Text mal hier landen wird ^.^ 



Stille





Michael winkte zum Abschied seinen Freunden mit einem Lächeln auf dem Gesicht, sie wunderten sich nicht mehr dass er es inzwischen vorzog alleine nach Hause zu gehen – alleine und in die falsche Richtung.
Einmal hatte Lasse versucht ihm zu folgen, jedoch war Michael einfach ein zu schneller Läufer. Kaum hatte er gemerkt das ihm jemand folgte war er losgerannt und hatte sich an der nächsten Straßenecke versteckt.Michael wollte nicht das auch nur einer seiner Schulfreunde wissen würde ,wem er jeden Tag nach der Schule besuchen würde. Denn eins war ihm klar, seine Freunde würden es im Zweifelsfall seiner Mutter sagen.
 Sie würde kein Verständnis haben, sie würde womöglich die Hände voller Angst vor ihr Gesicht schlagen und entsetz sein. So viele Straßen zum überqueren, so viele Zebrastreifen und das für ihn. Michael wollte seiner Mutter nichts von seinen täglichen Besuchen erzählen, weil er genau wusste wie verletzt und wütend sie darüber war, das er einfach so gegangen war. Er wollte sie nicht verletzen indem er ihr zeigte das er an ihm hing und ihn weiterhin jeden Tag sehen wollte. Michael wollte ihr nicht zeigen, wie sehr er das zusammen Leben mit seinem Vater vermisste. Darum lief er stets alleine zu dem neuen Wohnort, darum schaute er sich stets um ob ihn jemand verfolgte, um zu verhindern das seine Mutter es sehen würde. Sich womöglich zurück gestellt fühlen würde, er liebte sie, doch er liebte auch seinen Vater.
Er kannte den Weg, als er damit angefangen hatte, musste er sich so manches Mal noch durchfragen, zumeist wussten ältere Menschen ganz genau wo die Straße sich befand in der sein Vater nun lebte, jüngere hatten ihn meist erstaunt angesehen und gefragt wo denn seine Mama sei.
 Michael mochte den letzten Abschnitt des Weges am aller meisten, er führte an dem Stadtwald entlang, wahrscheinlich wäre seine Mutter vor Angst zusammen gebrochen wenn sie gewusst hätte wo er sich befand. Sie sah plötzlich an jedem Busch jemanden der nur darauf lauerte ihren kleinen Michael zu entführen und oder gar schlimmeres zu tun. Michael verstand ihre Angst nicht, ohne hin verstand er vieles nicht was seine Mutter tat. Einerseits war sie so wütend auf seinen Vater, dass es vorkam dass sie wütend Bilder zu Boden schmiss. Doch dann passierte es meist im nächsten Moment das sie in Tränen ausbrach und hastig die Fotos wieder aufhob und das Scherbenmeer beseitigte. Erwachsene waren seltsame Geschöpfe, er erzählte seinem Vater lieber nichts davon. Bestimmt fühlte er sich dann nur schuldig dass er von seiner Mutter und ihm fort gegangen war. Michael wollte nicht dass sein Vater sich schuldig fühlte, genauso wollte er dass seine Mutter wütend oder traurig war, eigentlich wollte er am liebsten alles wieder beim alten haben.
Seinen Vater der morgens gut gelaunt in die Küche kam, ihn liebevoll in die Seite zwickte und „na mein großer“ sagte und dann zu seiner Mutter lief und ihr überschwänglich einen Kuss gab und flüsterte: „ na, Mutter meines großen“ Er wollte das protestieren seiner kleinen Schwester hören, die ihre Arme verschränkte und rief: „ Papa ich auch“ Er wollte ihr wieder die Zunge heraus strecken und zusehen, wie sein Vater auf das Mädchen, welches  gegenüber von ihm saß,  zu ging und ihr auf die Stirn küsste mit den Worten: „ du bist mein kleiner Tausendfüßler“
Er wollte das normale Leben wieder haben, das Leben gemeinsam haben. Aber er wollte diesen Wunsch nicht an seinen Vater bringen, er hatte stets das Gefühl ihm unrecht zu tun.
Er lief langsam durch das Tor und sah sich verstohlen um, niemand war da der ihn erwischen würde. Manchmal kam ein bärtiger Mann und winkte ihm mit einer Gießkanne in der Hand zu, vor allem am Anfang hatte Michael große Angst vor ihm gehabt. Bis er begriff das er hier für Recht und Ordnung sorgte, er war Hausmeister – oder so ähnlich.
Zielsicher lief er auf seinen Vater zu und lächelte dabei aufgeregt. Er ließ seinen Ranzen auf den Boden fallen und setzte sich daneben und sah dann kurz in den Himmel ehe er den Daumen hob und erklärte: „ Hallo Papa“ Michael wartete keine Reaktion ab, sondern wuschelte sich kurz durch sein dunkelbraunes kurzes Haar und erklärte stolz: „ Mama hat endlich zugestimmt… sie wollte ja nie das ich so kurze Haare habe“ Er lachte fröhlich – „ aber gestern hat sie endlich ja gesagt“ Michael klatschte vergnügt in die Hände: „ jetzt seh ich aus wie Du, als du noch kleiner warst hat Mama gleich gesagt…“ Er grinste nun noch breiter und nickte entschlossen: „ morgen zeig ich die Frisur Oma, die wird Augen machen! Sie mochte ja wie Mama immer die langen Haare“ Er lachte nun erfreut – „ und jetzt hat ihr kleiner Michael plötzlich kaum noch Haare auf dem Kop!“ Er legte den Kopf zur Seite und fragte dann: „ und wie geht es dir Papa?“ Michael nickte kurz und kramte dann in seinem Ranzen und erklärte während er eine Mappe heraus zog: „ wir haben heute in Kunst wieder gemalt“ Er kratzte sich nachdenklich am Kopf und zog schließlich nach einen kurzen Augenblick des Suchens ein Blatt Papier hervor – „ ich hab dein Flugzeug gemalt“ Er hob es ihm hin und fragte aufgeregt: „ hab ich es gut getroffen?“ Michael  sah sich das Bild nochmal an und lächelte leicht und deutete auf die Fenster des Flugzeuges mit den Worten: „ da sitzt Mama, sie hat Hanna auf dem Schoß, guck sie winkt sogar“ Er zeigte es ihm nochmal begeistert und deutete dann auf das Cockpit-„ und schau Papa, da bist du, du und ich. Du fliegst gemeinsam mit mir dein Flugzeug!“ Er legte das Blatt beiseite und fragte dann etwas leiser: „ ich sag’s auch nicht Mama, aber können wir bald mal wieder mit deinem Flugzeug fliegen? Nur du und ich? Ja?“ Er wippte leicht vor und zurück und sagte dann: „ so wie beim letzten Mal, das war schön“ Michael lächelte ihn mit leuchtenden Augen an und begann dann bereits zu erzählen: „ ja, beim letzten Mal, erinnerst du dich? Mama haben wir davon nichts gesagt, aber du bist in der Nacht in mein Zimmer gekommen und hast mich gefragt ob wir fliegen gehen wollen“ Michael schloss, um sich besser daran zu erinnern, die Augen –„ erst wollte ich nicht weil es ja schon draußen ganz dunkel war. Aber du hast gesagt, dass es nichts macht. Weil du auch im dunkeln gut fliegen kannst – du hast gesagt, das es außerdem viel viel mehr Spaß macht. Noch mehr als durch die Wolken zu fliegen“ Er musste daran denken wie es tatsächlich war mit dem Flugzeug seines Vaters durch die Wolken zu fliegen, Michael hatte stets das Bedürfnis seine Hand auszustrecken um die Wolke zu berühren. Michael wusste natürlich das es verboten war ein Fenster zu öffnen um eine Wolke anzufassen, wenn man hoch über der Stadt flog darum hatte er es sich oft vorgestellt… vor allem wenn sie auf einem Jahrmarkt waren und er Zuckerwatte gegessen hatte,  dann war er überzeugt gewesen das es das Gefühl sein musste eine Wolke zu berühren. „ also hab ich mich ganz schnell umgezogen. Du hast mir erlaubt anzuziehen was ich will, deswegen hab ich mir das Pilotenkostüm von Fasching angezogen. Du hast gesagt ich seh aus wie du damals, in jungen Jahren“ Er deutete stolz auf seine Haare – „ und jetzt noch mehr!“ Michael lachte über seine Aussage und erzählte aufgeregt weiter: „ Mir war ganzschön kalt, darum hast du mich in eine Decke gewickelt und hast mich zu deinem Flugzeug getragen. Ich war noch etwas müde, aber als wir uns dann angeschnallt haben war ich hell wach. Mir wurde dieses Mal nicht übel beim Start, so wie sonst“ Er lächelte stolz darüber –„ Mama hätte bestimmt einen Herzanfall bekommen weil sie sich ja Sorgen macht, um mich um dich, in der Luft. Aber das war dir egal, du hast gesagt du passt auf mich auf. Als wir hoch oben in der Luft waren, hast du mir sogar erlaubt das Steuer zu übernehmen, du hast gesagt ich bin ganzschön gut darin!“ Er sagte es nicht ohne Stolz in seiner Stimme zu haben, er zupfte etwas Gras von dem Boden und sprach weiter: „ weil du nur ab und an gegen Lenken musstest! Du hast mir gesagt, dass wenn ich mal größer bin, und Mama sich etwas weniger Sorgen um mich macht das du mir dann richtig zeigst wie man fliegt…. ja, Papa und dann, dann hast du gesagt, du zeigst mir noch etwas ganz besonderes. Du bist wieder selbst geflogen, und dann sind wir höher und höher gestiegen. Du hast gesagt, das ich jetzt die Sterne berühren könnte während wir stiegen“ Michael deutete bei höher und höher mit seinen Armen in die Luft, obwohl er genau wusste das er mit seinen Händen nicht so weit nach oben reichen konnte wie sie geflogen waren – „ ich hab mich aber nicht getraut, du hast mir lachend über den Kopf gestrichen. Papa, du hast mir gesagt dass es nicht schlimm ist. Dass wir das nochmal machen und vielleicht hab ich dann etwas mehr Mut den Sternen die Hand zu schütteln. So hab ich nur aus dem Fenster geschaut und ihnen zu genickt, du hast kurz gewunken und auf deine Uhr gesehen… es war schon spät, wir müssen zurück hast du gesagt. Damit wenn Mama wach werden würde, ihren kleinen Mann in seinem Zimmer finden würde“ Michael musste lachen und sah ihn dabei an – „ und ich hab gesagt das sie bestimmt schon genug Angst haben wir wenn ihr großer Mann nicht mehr da ist. Du hast kurz  gelächelt und leicht genickt ehe wir wieder gelandet sind. Du hast mich wieder zum Auto getragen und mich auch wieder zurück in mein Bett gebracht. Mama hat nichts gemerkt, wir sind gerade noch so pünktlich gekommen. Wenn du nicht schon fort gewesen wärest, an diesem Morgen – so hätten wir uns bestimmt angegrinst und du hättest mir gezwinkert… ich kann das ja noch nicht. Bestimmt wäre Hanna ziemlich eifersüchtig gewesen, aber du warst ja nicht da… nicht mehr…“ Er kratzte sich am Kopf und biss sich dann auf die Lippe ehe er fragte: „ können wir vielleicht bald wieder fliegen? Nur du und ich? Ich trau mich jetzt auch ganz bestimmt die Sterne zu berühren…“ Er schob seine Zunge leicht über die Oberlippe und seufzte dann ehe er sagte: „ Mama ist nicht mehr so traurig, du musst dir keine Sorgen machen, Mama ist stark… sie vermisst dich glaub ich ganzschön doll, genau wie Hanna. Mama vermisst dich und Hanna. Ich vermisse das fliegen mit dir Papa. Aber wir werden ja wieder fliegen gehen, spätestens wenn ich groß genug bin Papa. Weil dann macht sich Mama auch viel weniger Sorgen um mich und dann kannst du mir zeigen wie man selber so ein Flugzeug fliegt, ja?“ Seine Stimme hatte sich leicht verändert, sie war etwas dünner geworden und er musste mehrmals schlucken – „ wir werden wieder fliegen, so wie früher. Du und ich ganz allein, Hanna können wir ja dann auch mit nehmen, aber nicht immer…“ Er stockte ein weiteres Mal und rieb sich seine Nase an seinen Unterarm und sagte dann kleinlaut: „ Mama macht sich bestimmt sorgen, weil ich so lange brauche… Mama macht sich viel sorgen um mich“ Er packte nun seine Mappe wieder in seine Tasche, lies jedoch das Flugzeugbild neben sich liegen. „ darum muss ich jetzt gehen, Mama soll sich nicht zu viele Sorgen um mich machen…“ Er stand nun auf und klopfte sich den Staub von seiner Hose den er durch den Boden an sich kleben hatte. Er setzte sich seinen ranzen auf die Schultern und sagte: „ küss Hanna von mir und sag ihr, das ich sie auch bald besuchen komme. Ich will nur erst warten bis die Gänseblümchen in ihren Zimmer blühen – dann bring ich sie ihr vorbei“ Dann hob er das Blatt auf und sah es an ehe er leicht lächelte. Er lief einen Schritt auf ihn zu und klemmte das Blatt unter einen Stein auf dem ein Flugzeug eingemeißelt war und nickte mit den Worten: „ das schenk ich dir Papa…. Morgen komm ich dich wieder besuchen“ Er drehte sich nun um, doch bevor er sich auf machte nach Hause zu gehen drehte er sich mit tränenden Augen zu ihm  und fragte, fast ein wenig flehend – „ aber wir fliegen wieder, oder Papa?“

© Atropa

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